Montag, 22.00 Uhr. Mit einer Portion Chickennuggets, die wahrscheinlich für eine ganze Grossfamilie gereicht hätten, steigt Miss S. todmüde in den Zug. Die Grossfamilie in ihrem Bauch verputzt die Nuggets innerhalb von Sekunden, noch vor Zugabfahrt brechen die Streichhölzer zwischen den Augen auseinander.
- Erstmal auf Anfang (das ist das Wort, dass wahrscheinlich mein “Wort des Jahres” wird; alles wird zur Startlinie zurückbewegt. Neu anfangen, eben dort). Drei Wohnungen in sechs Stunden, sich präsentieren, Marotten aufzählen (es wird hier nichts verborgen!) und potentielle Mitbewohner mustern, kein schlechter Schnitt also, auch wenn alles ernüchternd war. Ich hab’ eigentlich immer gedacht, ich hätte nicht allzu hohe Ansprüche, aber es scheint ein Ding der Unmöglichkeit, eine tolle Wohnung (darunter versteh’ ich nicht zweistöckige Maisonnette mit Wirlpool auf’m Riesenbalkon mit Blick über die ganze Stadt, sondern vielmehr einfach eine etwas geräumige Wohnung mit gemeinsamer Stube, etwas zentral, mit Balkon, auf dem auch ein Grill Platz hat) UND tolle Mitbewohner zu finden.
Fazit:
WG 1: Hätte mir da nicht so ein charmanter Herr die Tür geöffnet, wär’ ich wahrscheinlich nach zehn Minuten schon wieder draussen gewesen. Der Altphilologe erklärt mir schon im Gang, es habe nur die zwei Zimmer (dafür 20 Quadratmeter!) und die Wand dazwischen sei ein wenig ringhörig, er sei aber auch bereit, ‘mal einen Abend auswärts zu verbringen, sollte ich “Herrenbesuch” empfangen. So viel, so gut. Da wär’ ich gegangen, hätten wir uns nicht so gut verstanden, dass wir gleich noch Kaffee getrunken und über alles Wichtige und Unwichtige im Leben diskutiert haben – drei Stunden später hab’ ich mich dann zur nächsten Besichtigung aufgemacht. Ein Traummitbewohner also, und ich wäre echt sofort eingezogen, aber ohne Stube..das geht echt gar nicht (ich hoffe wirklich, auch ohne Einzug gehen wir mal zusammen was trinken, wir haben mindestens schon drei Bücher und zwei Filme, die wir einander ausleihen müssen!).
WG 2: Nett. Das ist ziemlich alles, was ich dazu sagen kann. Grosses Zimmer, Mini-Stube, Mitbewohner aus Luzern und am Ende des Studiums. Nett. Und “nett” ist nie gut.
WG 3: Hätt’ ich mir gleich sparen können – bin einfach zu nett (siehe oben) und doch ‘ne Stunde geblieben. Endlich eine Frauen-WG, hab’ ich mich gefreut. Hmhm, soviel zu dem Thema. In der Agglo (AGGLO, was hab’ ich mir bloss gedacht?! ..aber die Wohnung hat so toll ausgesehen auf den Bildern) öffnet mir eine junge Dame Marke Bling-Bling die Tür. Überschminkt, mit Goldringen, -ketten, Riesenohrhängern und rosa T-Shirt (mit goldenem Aufdruck, das war echt zuviel) begrüsst sie mich säuselnd in dem Dialekt, den ich sonst so mag – ich hätt’ echt gleich gehen sollen. Nach Besichtigung der Wohnung hat mir die Dame erklärt, sie gehe jedes Wochenende “schon so bis Acht Uhr morgens” in den Ausgang, sie stehe eben auf Salsa und die dazugehörigen Latinos. Deshalb habe sie auch keinen Freund, weil die (= Latinos) sich eben nur so schwer auf EINE Frau festlegen könnten. Ah ja, alles klar.
Und der Nachspaziergang vom Bahnhof nach Hause hat Miss S. auch wieder geweckt. Trotzdem ist sie unglaublich froh, die nächsten Termine erst für morgen ausgemacht zu haben – Reisen und Wohnungen besichtigen ist nämlich echt anstrengend. Vielleicht gibt’s ja dann morgen einen Lichtblick im Dschungel der WG-Suche, ich halte auf dem Laufenden.
Ich bin gespannt und wäre doch dafür WG1 nochmal zu überdenken!
Fortsetzung folgt ;)